AKTUELLE AUSSTELLUNG

BRIGITTE KOWANZ

Eröffnung Freitag, 21. 06. 2019 / Es spricht Mag. Hemma Schmutz, künstlerische Direktorin der Museen der Stadt Linz / Dauer der Ausstellung bis 14. 09 2019

In mehr als 30 Jahren kontinuierlicher Arbeit hat Brigitte Kowanz ein eigenständiges künstlerisches Vokabular des Lichts geschaffen. Vokabular ist buchstäblich zu verstehen, denn Brigitte Kowanz setzt Licht als Sprache, als Code ein. Sie arbeitet mit reinem Licht als selbstständiges Medium wie früher die Maler mit reiner Farbe.

Ein entscheidender Aspekt ihrer Kunst ist der Gebrauch von Sprache, der aus der Erfahrung urbaner Räume und der Begriffsschrift der Konzeptkunst stammt. Die ausgewählten Arbeiten dieser Ausstellung stellen einen Kulminationspunkt ihres Instrumentariums – die Verwendung von Neonlicht, von Spiegeln, von spiegelnden Metallen, von Schrift, von Code, von Information – dar.

Kowanz ist eine Poetin und Architektin des Lichts. Es geht um die die Verschränkung von physikalischem materiellem Raum und immateriellem virtuellem Raum. Der Körper befindet sich im realen Raum. Gleichzeitig erweitert sich dieser reale Raum durch Spiegel, Zweiwegspiegel, künstliches Licht etc. für den Körper zu einem virtuellen Raum. Die Wörter dirigieren den Besucher in einen konzeptuellen Raum, in einen fiktiven Raum, in einen Denkraum.

Die beiden Räume der Galerie werden von zwei Installationen bespielt. Jede der beiden Installationen setzt sich aus mehreren Arbeiten zusammen.

Raum 1

Licht als Information, virtueller Raum, Schrift, Code, Licht.

World Wide Web 12.03.1989 06.08.1991 immanent ist die Auseinandersetzung mit einer technischen Entwicklung, die das menschliche Leben radikal veränderte: das Internet. Deswegen verwendete sie zwei Daten als Grundlage ihrer Arbeit, die sie in Morsezeichen codierte: Erstens 12.03.1989 – dies ist das Datum der Vorstellung des Internets am CERN (Genf) durch Tim Berners-Lee, zweitens 06.08.1991 – das Datum, an dem die erste Website online ging, an dem also das Internet für die Allgemeinheit zugänglich wurde. Kowanz modelliert bzw. referiert den globalen Datenraum des Internets.

genius loci, contemplation, differ, aware, attitude, all und recover, sowie immersion und unexpected.

Eine wechselseitige Bespiegelung von Licht und Sprache. Der Spiegel in unterschiedlichsten Formen als weiteres Medium der Reflexion von Sichtbarkeit und Wahrnehmung. Das Zusammenspiel von Licht, Sprache und Spiegel mündet schließlich in Objekte und räumliche Szenarien, in denen sich die Realität und ihr virtuelles Spiegelbild mannigfach durchdringen. Die Darstellung und visuelle Beschreibung des grenzenlos fließenden Lichtes, mündet konsequenterweise auch in die Auflösung der Grenzen zwischen Werk und Betrachter.

Die Werktitel werden in Neonschrift in Spiegelkuben und Vitrinen vielfach wiederholt, überlagert und verdichtet. Es entsteht ein visueller Sog, der die Bedeutung des Begriffs auf fast physische Weise erfahrbar macht. Die Begriffe drehen sich um den Moment der Betrachtung von Kunst.

Raum 2

Reflections, 9451, in light of light, beyond imagination.

Reflections bestehen aus Aluminium, retroreflektierenden Oberflächen und Lacken, sie betonen die magisch anmutenden, malerischen Qualitäten des Lichtes. Das auftreffende Licht wird reflektiert, gebrochen und transformiert. Die Oberflächen leuchten unterschiedlich in Intensität und Farbe, außerdem verändern sie sich durch die Bewegung im Raum. Licht erzeugt Licht.

Gegenüber werden Neonschriften installiert: 9451, in light of light und beyond imagination. 9451 – ist die alphanumerische Codierung von Idea und beyond imagination verweist auf die unvorstellbare virtuelle Informationsflut im Zeitalter des World Wide Web.