AKTUELLE AUSSTELLUNG

BRUNO GIRONCOLI Skulpturen

TOBIAS PILS Zeichnungen

ELFIE SEMOTAN Fotos

14.2.2020-5.9.2020

Eröffnung Freitag 14.2.2020 19 Uhr

Es spricht Ferdinand Schmatz


Elfie Semotan, Atelier Bruno Gironcoli, Akademie der bildenden Künste Wien 1995

Plastiken von Bruno Gironcoli, Fotografien von Elfie Semotan und Zeichnungen von Tobias Pils treffen in der Galerie am Stein imStift Reichersbergaufeinander. Mit subtilen wie präzisen Bezügen entsteht über die einzelnen Medien hinweg in achromatischer Modulationein spannender Dreiklang.

Tobias Pils siehtheuerzahlreicheninternationalen Auftritten entgegen: Neben seiner aktuellen Einzelausstellung beiPresenhuberin Zürich hat er vor wenigen Wochen den Wettbewerb um das Wandgemälde im Foyer der neuen, von Renzo Piano gebauten Universität in Paris-Saclay gewonnen. Im März zeigt das Musée Picasso Paris eine siebenteilige Arbeit des Künstlers und wenig später wird sein Bonner Raum als permanente Malereiinstallationim Kunstmuseum Bonn eingerichtet. In Österreich hingegen werden seine Werke heuer bis auf weiteres nur in einer kleinen Präsentation in der Galerie am Stein zu sehen sein. Mit dieser Galerie am Rande Oberösterreichs verbindet Pils eine lange Geschichte. Es war die Galeristin Monika Perzl, die den damals noch an der Akademie in Wien studierenden Maler erstmals ausstellte und ihm damit noch vor seinem internationalen Durchbruch eine Plattform bot. Dieser gemeinsamen Geschichte ist das nun stattfindende Ausstellungsprojekt geschuldet, das Zeichnungen von Pils mit Fotografien von Elfie Semotan und Plastiken von BrunoGironcoli zusammenbringt.

Durch ein feines Gespinst sind die präsentierten Arbeiten miteinander verwoben, dahinter stehen persönliche Beziehungen und Bezüge zwischen den drei KünstlerInnen. Semotan und Pils verbindet seit vielen Jahren eine enge Freundschaft, Pils war seit jeher von Gironcolis künstlerischer Eigenständigkeit beeindruckt, Gironcoli wollte noch kurz vor seinem Tod einen Text über Pils’ Arbeit schreiben undes war Semotan, die Gironcolis Atelier vor dessen Räumung, die mit dem Ende seiner Lehrtätigkeit an der Akademie einherging, fotografierte. Sie verwendetedafür einenS/W-Polaroidfilm der auch Negative generiert, und belichtete die einzelnen Kader auf das größtmögliche Papiermaß. Auf diemonumentalen Skulpturen des Bildhauers reagierte sie mit monumentalen Prints – die hiereine Scharnierfunktion zwischen den Plastiken Gironcolisund Pils’ Arbeiten auf Papiereinnehmen. Es sind keine klassischen Atelieraufnahmen, vielmehrmutensie wie Arretierungen eines tastenden Blicks an, der an einzelnen Formen hängenbleibt, abschweift, dann wieder ein Element im Mittelgrund fokussiert,kurzum sich ein Bild von diesem plastischen Milieu zu machen scheint. Dadurch vermitteln die Aufnahmenden Eindruckfotografischer ProtokollederBegegnung der Künstlerin mit GironcolisFormen- und Materialwelt.

Durch die gewählte Größe der Prints schwappt die Weichheit des Lichts, das der soliden Klarheit derFormen eine pudrige Luftigkeit verleiht, in den Ausstellungsraum und legt sich über die metallisch-kühlenObjekteGironcolisund die hölzern wirkenden Zeichnungen von Pils. Letztere sind im vergangenen Sommer entstanden und zeigen fragil wirkende Gefüge, die an Skizzen für mögliche dreidimensionale Assemblagen erinnern. Über dieseplastischen Assoziationen kommunizieren sie mit den benachbarten Werken Gironcolis. Bei aller medialen Differenz teilen die präsentierten Arbeitendasselbe chromatische Spektrum, was ihnen eine ähnliche Temperatur und einen ähnlichen Klang verleiht. Pils spricht in diesem Zusammenhang von einem verbindenden „Aggregatzustand“, der alle gezeigten Arbeiten auszeichne.

Schließlich bedingt dieradikale Reduktion der chromatischen Ausdrucksmöglichkeiteneine Konzentrationauf die Form. Auchhier bilden Semotans Fotografien ein Scharnier, da sie anstelle einer Totalansicht der Objekte auf jene Auswüchse und Appendicesfokussiert, die in GironcolisPlastiken zwischen Motiv und Ornament, zwischen narrativem Gerüst und symbolischem Beiwerk changieren. Auch in Pils’ Malerei werden sich anbahnende Geschichten durch Rapport und Wiederholung ausgebremst, kippen vermeintliche Motive ins Ornamentale und retour. Gironcolis und Pils’ Formen verwehren sich gegen narrative wie dekorative Festschreibungen. Bei Semotan findet diese Unfassbarkeit der Form ihre Entsprechung ineinem Hybrid aus ästhetischem und empathischen Blick, derfür ihre Arbeiten so typisch ist.Damit schafft die Ausstellung durch eine präzise Werkauswahl das Kunststück, das Verbindende zwischen den einzelnen KünstlerInnen aufzuzeigen und gleichzeitig das jeweils Eigenständige offenzulegen.

Veronika Gamper